22.07.2003: Rostock als Reedereistandort
Rostock als Reedereistandort
THB: Die H. STINNES LINIEN GmbH hat vor gut einem Jahr den Firmensitz von Hamburg nach Rostock verlegt – haben Sie Heimweh?
KLZ: Das kann nicht aufkommen, da wir unverändert intensive geschäftliche und gesellschaftliche Beziehungen nach Hamburg pflegen. Selbstverständlich vermissen unsere Mitarbeiter, die ihren Lebensmittelpunkt nicht verlegt haben, die tägliche Nähe zu ihren Familien. Damit reihen sie sich - als Ausnahme – ein, in die große Schicksalsgemeinschaft der Pendler und fahren gewissermaßen antizyklisch.
THB: Warum also der Wechsel von der Elbe an die Warnow?
KLZ: Die Entscheidung, für den Firmensitz der H. Stinnes Linien Rostock auszuwählen, ist letztendlich eine Hommage unseres Gesellschafters an die Region und insbesondere an die Hansestadt Rostock, in der nach 5 Jahren Abstinenz wieder Frachtlinienschiffahrt angesiedelt werden konnte.
THB: Ihr Gesellschafter ist die Deutsche Seereederei mit Sitz in Rostock.
KLZ: Genauer gesagt ist es die Reederei HANSA AG, unter deren Dach alle maritimen Dienstleistung der Deutschen Seereederei gebündelt sind. Zu den Geschäftsfeldern der Hansa gehören maritime IT Systeme mit dem Unternehmen Interschalt sowie Finance und Travel mit Reisebüros und Reiseveranstaltung.
THB: Die Deutsche Seereederei ist sehr diversifiziert. Sind Sie neben der ARKONA AG und Deutsche Immobilien AG ebenbürtig aufgestellt ?
KLZ: Ein ganz klares „ja“, und dies ist keine Frage des Gefühls, sondern Realität. Durch die Unterstützung der Deutschen Seereederei haben wir mit der Realisierung unseres über 30 Mio $ teuren Flottenerneuerungskonzeptes beginnen können. Unsere gegenwärtige Tonnage wird durch größere Schiffe ersetzt. Da kommen neue Aufgaben und Herausforderungen auf uns zu. Mit der Einbringung in die Deutsche Seereederei, unter dem Dach der Hansa AG, eröffnen sich natürlich Chancen zur Erweiterung der Geschäftsaktivitäten auf regionaler und internationaler Ebene.
THB: Wie sehen Sie Ihre Rolle in der Region ?
KLZ: Schön wäre es, wenn H. STINNES Schiffe auch in den Häfen Mecklenburg-Vorpommerns Flagge zeigen würden. Der Seeverkehr in der Ostsee stellt einen Wachstumsmarkt dar, den wir intensiv beobachten. Sollte sich die Chance bieten, werden wir sie nutzen – am richtigen Standort wären wir ja. Bis dahin jedoch unterstützen wir unsere Kollegen bei der Reederei HANSA AG, die sich mit verschiedenen Projekten in die kommunale maritim Industrie einbringen.
Worüber wir uns sehr freuen ist, daß wir einen Beitrag leisten konnten zur Wiederaufnahme der Ausbildung von Schiffahrtskaufleuten in Rostock. Kontakte zur Universität Rostock und zur Hochschule Wismar sind aufgenommen und sollen systematisch aufgebaut werden. Das entstandene Defizit an Schiffahrtsexperten ist langfristig nur zu kompensieren, wenn wir den Nachwuchs selbst ausbilden und an das Unternehmen binden.
THB: Also rundum zufrieden in Rostock ?
KLZ: Leider noch nicht ganz. Wir warten auf die Fertigstellung des neuen „Business Centers“ am Stadthafen, um mit dem dritten Umzug endgültig „within city limits“ in Rostock anzukommen.